Stacheldraht als Wäscheleine:
ai-Aktion zum Weltfrauentag
Am Internationalen Tag für die Rechte der Frau macht amnesty international München mit
einer Aktion darauf aufmerksam, daß in vielen Ländern die Rechte von Frauen massiv
verletzt werden: Mitglieder von ai spannen am Stachus eine Wäscheleine aus
Stacheldraht auf. An dieser Wäscheleine hängen Frauenkleider. Dazu zeigen die
ai-Mitglieder Plakate wie "Jährlich werden weltweit 700.000 Frauen vergewaltigt"
oder "Alle 15 Sekunden wird einer Frau Gewalt angetan." (Termin: Freitag, 8.
März 2002, 12:00 bis 16:00 Uhr, Stachus.)
Gewalt gegen Frauen hat ihren Ursprung in der alltäglichen Diskriminierung. Frauen
werden immer noch als das "zweite" Geschlecht betrachtet, mit weniger Rechten
als die Männer. Nur 27 Staaten stellen die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe,
darunter Deutschland. Nach Statistiken der Weltbank sind weltweit über 20 Prozent
aller Frauen körperlich oder sexuell mißhandelt worden. UNO-Generalsekretär Kofi Annan
hat im Juni 2000 darauf hingewiesen, daß zwar in den meisten Staaten Gewalt gegen
Frauen verboten ist, die Zahl der Übergriffe jedoch steigt.
Ein Beispiel für die vielen Länder, in denen die Menschenrechte von Frauen verletzt
werden: Rußland. Vor allem im bewaffneten Konflikt in Tschetschenien kommt es immer
wieder zu Miß-handlungen von Frauen. Sogar schwangere Frauen haben amnesty
international berichtet, daß sie von Soldaten vergewaltigt worden sind. Vertreter von
ai haben während einer Untersuchungsreise im November 2001 die Zeugenaussagen dieser
Frauen aufgenommen. Auch in Gefängnissen und im Polizeigewahrsam werden Frauen
mißhandelt. Die Täter gehen praktisch kein Risiko ein, dafür bestraft zu werden.
Frauen leiden außerdem unter den generell schlechten Haftbedingungen. Die Zustände in
den Untersuchungsgefängnissen und Haftkolonien erinnern an die Stalinzeit.
Konzertlesung "Geschichten aus dem Niemandsland"
Am Mittwoch, den 13. März, 19.30 Uhr
in der Seidlvilla, Mühsamsaal (Nikolaiplatz 1b):
Literatur & Musik mit Urs M. Fiechtner & Sergio Vesely vom Umgang mit dem
Menschenrechtsbegriff unserer Zeit. Eine Veranstaltung von amnesty
international.
Eine zurückhaltende, weder plakative noch polemische Auseinandersetzung mit
einem schwierigen Thema: das Recht und die Würde, die Identität und
Integrität des Menschen in einer von politischen und sozialen Konflikten
gezeichneten Gegenwart.
Die Gedichte, Kurzgeschichten und Lieder von Urs M. Fiechtner und Sergio
Vesely berichten aus unterschiedlichen, manchmal überraschenden
Perspektiven vom Umgang mit dem Menschenrechtsbegriff unserer Zeit, von Opfern und
Tätern, von der inneren und äußeren Situation der Verfolgten und von den
Versuchen, den Verfolgern zu widerstehen.
Die Autoren veröffentlichen seit vielen Jahren über diesen Themenkreis,
beide haben ihre ganz persönlichen Erfahrungen damit. Die Texte, die sie
für Konzertlesungen jeweils individuell auswählen - das Thema verträgt keine
feststehenden "Programme" - haben daher alle etwas gemeinsam: sie sind
keine Produkte schriftstellerischer Phantasie, sondern gehen auf
Augenzeugenberichte und Dokumente aus Afrika, Asien, Lateinamerika und
Europa zurück. Dennoch - oder gerade deshalb - geht es Fiechtner und Vesely
nicht um bestimmte Länder oder (tages-)politische Probleme, sondern um den,
von Zeit und Ort gelösten, uns alle angehenden Zustand des in seinen
Rechten, seiner Würde und seiner nackten Existenz bedrohten Menschen.
Süddeutsche Zeitung:
"Ihre Geschichten, Gedichte und Lieder sind eindrucksvoll, sprachlich
ausgefeilt, ohne Pathos, feinfühlig sind Text und Gitarre aufeinander
abgestimmt. Bestechend - man kennt es aus erhaltenen Notizen der
KZ-Häftlinge -, dass es die Poesie ist, ja sogar der Humor, die, wenn schon
nicht das Leben, so doch das 'Menschsein' retten, die Qualen ertragen
helfen..."
Die Künstler Urs M. Fiechtner und Sergio Vesely sind beide Mitglied der
Autorengruppe '79.
Urs M. Fiectner, geboren 1955 in Bonn, wuchs in Chile heran und gab mit 21
Jahren sein erstes Buch - eine Lyrikanthologie über Freiheit und
Zivilcourage - heraus, dem zahlreiche Lyrik- und Prosabände folgten. Dabei
greift er auf zwei Sprachen und zwei Kulturkreise zurück. Ebenso interessant
wie der literarische Brückenschlag zwischen Kontinenten ist für Fiechtner
die Verbindung von Literatur und Musik. So entstand in der Zusammenarbeit
mit Sergio Vesely die Konzertlesung als symbiotische Einheit aus Lyrik und
Lied, Prosa und Musik, aus gesungenem und gesprochenem Wort. Sergio Vesely,
1952 in Santiago de Chile geboren, brillanter Gitarrist und Sänger, war
politischer Gefangener unter Pinochet und erhält 1976 Asyl in Deutschland,
wo er zur Autorengruppe '79 stößt.
Geschichten aus dem Niemandsland"
Lieder und Gedichte über die Menschenrechte und darüber, was sie uns bedeuten.
Mittwoch, 13. März 2002, 19:30 Uhr, Seidlvilla (Nicolai-Platz 1b)
Wer definiert die Würde des Menschen? Wer entscheidet über seine Rechte,
und wie beschreibt ein Mensch seine Identität? Urs M. Fiechtner und Sergio
Vesely versuchen in einer Veranstaltung von amnesty international, mit
ihren Liedern und Gedichten diesen Fragen auf den Grund zu gehen.
Unabhängig von regionalen und politischen Brennpunkten beruhen ihre
Geschichten auf Augenzeugenberichten aus der ganzen Welt. Denn unter ihren
wechselnden und mitunter überraschenden Blickwinkeln steht immer der Mensch
im Mittelpunkt: wie er zu jeder Zeit, an jedem Ort in seiner Würde, seinen
Rechten oder seiner nackten Existenz bedroht wird.
Beide Künstler, Mitglieder der Autorengruppe 79, sind in Chile aufgewachsen
und haben ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Menschenrechte.
Sie wählen die Texte für ihre Konzerte jeweils individuell aus und
präsentieren sie zurückhaltend, aber eindringlich.
"Ihre Geschichten, Gedichte und Lieder sind eindrucksvoll, sprachlich
ausgefeilt, ohne Pathos, feinfühlig sind Text und Gitarre aufeinander
abgestimmt. Bestechend man kennt es aus erhaltenen Notizen der
KZ-Häftlinge -, dass es die Poesie ist, ja sogar der Humor, die, wenn schon
nicht das Leben, so doch das Menschsein retten, die Qualen ertragen
helfen..." (Süddeutsche Zeitung)
Fototermin
FARBEN RHYTHMEN MENSCHENRECHTE
Wo: ARTE Galerie N, Luisenstraße 68
Wann: 21. März 2002, 19.00-20.00 Uhr
Ansprechpartner vor Ort: Hans Sommer (Peace Brigades International)
"Farben, Rhythmen, Menschenrechte" - Unter diesem Motto lädt Sie die
Kolumbiengruppe von Amnesty International zu einer Veranstaltung in der
ARTE Galerie N ein.
"Farben" steht für eine Kunstaktion: Fünf Malerinnen der Galerie, die
Galerieleiterin Frau Hofer und eine Gruppe von Asylbewerber-Kindern werden
dort drei Fahnen malen, die auf Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien
aufmerksam machen sollen. Die Flaggen sollen besonders groß und auffällig
werden. Der Grund: Sie werden zusammen mit 147 Fahnen aus ganz Deutschland
an drei kolumbianische Menschenrechtsorganisationen (OFP, ASFADDES,
CREDHOS) weitergeleitet. Die Mitglieder dieser Organisationen haben in
letzter Zeit mehrfach Todesdrohungen erhalten. Sie wollen die in
Deutschland fabrizierten Fahnen nutzen, um der Öffentlichkeit zu zeigen,
dass die westliche Welt sich für ihr Schicksal interessiert.
"Rhythmen" steht für Live-Musik aus Kolumbien, die zu der Kunstaktion
gespielt wird.
"Menschenrechte" steht für einen Vortrag über Kolumbien: Hans Sommer von
der Organisation "Peace Brigades International" berichtet aus erster Hand
von der Lage in Kolumbien. Die "Peace Brigades" begleiten Personen, die von
"Verschwindenlassen" und politischem Mord bedroht sind, um sie zu schützen.
Veranstaltungshinweis: Benefizkonzert zugunsten von amnesty international
Wo: Altes Kino Ebersberg
Wann: 25. April 2002, 20 Uhr
Die irisch-angloamerikanische Folkband "Dulcimore" spielt für ai
Zum 20jährigen Bestehen der amnesty-Gruppe Kirchheim lädt "Dulcimore" am 25. April ab 20 Uhr
zu angloamerikanischem und irischem Folk ein. "Dulcimore" verspricht Folkmusik der besonderen Art
zwischen fröhlichen Liedern und dunklen Balladen. Ein buntes Instrumentarium und viel Gesang erzählen
von Liebe, Glück und Unglück, Elfen und Soldaten, Männern und Frauen und reißen mit in die Welt des Folks.
Karten (10 / ermäßigt 7 Euro) können unter Telefon 08092 / 20255 vorbestellt werden.
Englischsprachiger AI-Vortrag zum Thema Todesstrafe mit Gastrednern aus den USA
Die Münchner Amnesty International Sektion "Anti-Todesstrafe-Gruppe" lädt am 29.04.02 um 18.30 Uhr
zu einem Vortrag mit dem Thema "Yes Friends, there is an Alternative to the Death Penalty"
in die Schellingstr. 3 (Raum 201), 80799 München (LMU) ein.
Gastredner sind Abraham J. Bonowitz und Sam Reese Sheppard,
die in den USA durch ihre langjährige Kampagnenarbeit und oft provokanten Aktionen bundesweit bekannt geworden sind.
Sam Reese Sheppard ist der Sohn des 1954 wegen Mordes an seiner schwangeren Frau verurteilten Dr. Sam Sheppard,
dessen spektakulärer und umstrittener Fall die Vorlage zu der Fernsehserie "Dr. Kimble auf der Flucht"
(original: The Fugitive) und dem gleichnamigen Kinofilm mit Harrison Ford lieferte.
Sheppard ist außerdem Autor des Buches "Mockery of Justice",
Mitglied der Organisation Citizens United for Alternatives to the Death Penalty (CAUPD)
und Mitbegründer der Journey of Hope From Violence to Healing,
die in ganz Amerika Protestmärsche gegen die Todesstrafe veranstaltet.
Abraham J. Bonowitz, ein ehemaliger Befürworter der Todesstrafe, ist Mitbegründer und Vorsitzender der CAUPD.
Seit 12 Jahren leistet er Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Menschenrechtserziehung.
Er betreut sowohl Täter als auch Familien von Opfern.
Mit medienwirksamen Aktionen hat Bonowitz sowohl das Interesse der Öffentlichkeit als auch den Unwillen der amerikanischen Justiz erregt.
Beide Redner wollen mit ihrem Vortrag nicht bekehren, sondern neue Denkanstöße zum Thema Bestrafung von Kapitalverbrechen geben.
Für Fragen der Presse stehen Abraham Bonowitz und Sam Reese Shepard am Montag Nachmittag, 29.04.02 gerne zur Verfügung.

Veranstaltungshinweis: Independence-
Musikfestival von amnesty international
Wo: Kafe Kult, Oberföhringer Straße 156
Wann: 25. Mai 2002, Einlaß ab 20 Uhr
Was: Independent-Bands (Winterbrief, Eiscorn, Lowride, Barnard's Star)
Eintritt: 7 Euro
Musik und den Einsatz für Menschenrechte verbindet das "2. ai-Festival",
veranstaltet von der Münchner ai-Gruppe 1575. Vor Ort können Appellschreiben zu
Urgent Actions an Regierungsbehörden verschickt werden. Interessierte können
sich einen Einblick in die vielseitige Arbeit einer Menschenrechtsorganisation verschaffen.
Auch musikalisch wird einiges geboten. Vier Independent-Bands werden auftreten:
Winterbrief (Philadelphia, Electric/Pop/Punk,)
Eiscorn (Berlin, Alternative Rock), Lowride (München, Breitwandrock) und
Barnard's Star (München, Indie-Pop). Der Eintritt beträgt 7,-- Euro.
Die Veranstalter setzen damit eine Konzertreihe fort, die sie im September
des vergangenen Jahres mit dem 1. Stopp Torture Festival in der Glockenbachwerkstatt
begonnen haben. Auch damals ging es darum, das Thema Menschenrechte einem breiten,
jungem Publikum bekannt zu machen. Die Verknüpfung von Musik und Information
zu einem ernsten Thema kam schon damals sehr gut an.
Veranstaltungshinweis:
"Die Angst in meinem Leben - ein Kolumbien-Abend" der Gruppe 1436
am 5. Juli 2002, 19 Uhr
in der Seidlvilla (Nikolaiplatz 1b, Schwabing)
Eintritt FREI!
Anläßlich der Kampagne für MenschenrechtlerInnen in Kolumbien
gibt's Informationen über die Menschenrechtslage in dem südamerikanischen Land.
Dr. Rainer Huhle vom Nürnberger Menschenrechtszentrum hält einen Vortrag
über die Menschenrechtssituation in Kolumbien.
Musikalisch wird der Abend von Angela Leal (Geige) und Fernando Vizcaino (Klavier) begleitet.
Diese Aktion ist einer von zwei Themenabenden zu Kolumbien, die die Gruppe 1436 veranstaltet
(der Zweite findet am 11. Oktober im "Skyline" statt).
Weitere Informationen: ai-Gruppe 1436, Jörg Sommer
oder unter www.amnesty-muenchen.de/1436/ .
"Stimmen aus dem Exyl"
Konzertlesung zum Tag des Flüchtlings
mit
Jaromir Konecny, Poetry-Slam
Asyl Art e.V., Ethno-Jazz
Jaromir Konecny, der in Prag geborene und in seiner Wahlheimat München
lebende Schriftsteller und Gewinner zahlreicher Poetry Slams in
Deutschland, wird eine Poetry Show zum Thema darbieten. Er schrieb
nicht nur über das "Geschlechtsleben der Emigranten", sondern lebte
auch nach seiner Ankunft in Deutschland 1982 ein Jahr lang in einer
Sammelunterkunft in Niederbayern.
Die vier jungen Musiker der Gruppe Asyl Art e.V. - teilweise selbst
Asylbewerber und Migranten - werden die Lesung musikalisch umrahmen:
Xizhi Nie aus China: Erhu
Marinko Francic aus Bosnien: Gitarre
Michaela Götz aus Deutschland: Flöten, Stimme
Sri Mala Devi aus Brasilien: Stimme
wann:
18.09.2002, 20.00 Uhr
wo:
Café Muffathalle, Zellstraße 4, 81667 München
(hinter dem Müllerschen Volksbad)
Veranstalter:
amnesty international
Bezirkskoordinationsgruppe Politische Flüchtlinge

Ein Jahr nach dem 11. September - Die Situation der Menschenrechte in Afghanistan
Die Taliban sind verschwunden, ein demokratisches System ist installiert, der Krieg ist vorbei.
Kommt Afghanistan jetzt endlich zur Ruhe?
Ganz offensichtlich ist das gequälte Land davon noch weit entfernt.
In einer Gesellschaft, die seit mehr als 20 Jahren im Krieg lebt,
in der Unmengen von Waffen im Umlauf sind und in der eine ganze Generation ohne Ausbildung ist
- in einer solchen Gesellschaft haben die Menschenrechte keinen großen Stellenwert.
Wie kann man trotzdem für sie kämpfen?
Darum geht es an diesem Abend.
Karola Schaaf, Leiterin der Afghanistan-Koordinationsgruppe der deutschen Sektion von amnesty international,
beschäftigt sich schon seit vielen Jahren sehr intensiv mit diesem Land.
Sie berichtet über die gegenwärtige Lage, über Grenzen und Möglichkeiten der Menschenrechtsarbeit in Afghanistan
- ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Kalender 2003
| |
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| Format |
14,6 x 9,4 cm (DIN A6 schmal, wie im letzten Jahr) |
| Umfang |
192 Seiten |
| Kalendarium |
2 Seiten pro Woche mit Spruch der Woche,
zeitgeschichtlichen Daten,
christlichen, jüdischen, islamischen, hinduistischen und buddhistischen Feiertagen
sowie Monatsplaner von Januar 2002 bis Dezember 2004
|
| Serviceteil |
Adressen von Menschenrechtsgruppen
Schulferien
Internationale Vorwahlnummern
Stundenpläne
Portotabellen
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| ai-Beiträge |
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Informationen über ai
Terrorismus und Menschenrechte
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| Ausstattung |
Zweifarbiger Umschlag mit umweltfreundlicher Schutzfolie
Innenteil zu 75 % aus Altpapier
Lesezeichen
Fadenheftung
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| Emfohlener Verkaufspreis |
6 Euro incl. Versand für Nicht-Mitglieder
(für Mitglieder auf Anfrage)
|
| Bestelladresse |
amnesty international
Kalenderversand
Leonrodstr. 19
80634 München
(bitte Verrechnungsscheck beilegen!)
oder den guten Buchhandel
|
| ISBN |
3-86026-098-7
|
Respekt der Menschenrechte eher auf dem Papier als in der Praxis
Weltweite amnesty-Kampagne zu Russland beginnt heute
Folter und Misshandlungen an Frauen, Kindern und ethnischen Minderheiten sowie der Tschetschenien-Krieg sind Schwerpunkte /
Kampagne läuft bis Ende 2003 / Ziele sind Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen, Gerechtigkeit für die Opfer
und die konsequente Umsetzung internationaler Menschenrechtsstandards
Berlin, 29. Oktober 2002
- "Dem Gesetz nach sind Menschenrechte in Russland geschützt.
In der Praxis werden sie vielfach mit Füßen getreten",
sagte Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international (ai),
heute zum Auftakt der weltweiten ai-Russland-Kampagne.
amnesty international hat heute einen Bericht vorgelegt,
der Fälle und Methoden von Folter und Mishandlung in Haft und Polizeigewahrsam beschreibt.
Der Bericht zeigt, dass die Täter in der Regel nicht belangt werden.
Die Straflosigkeit für Menschenrechtsverletzungen begünstigt weitere Folter.
Hervorgehoben werden Misshandlungen an Frauen, Kindern und Angehörigen ethnischer Minderheiten.
Der Bericht nimmt auch ausführlich zum Tschetschenien-Konflikt Stellung.
Er beleuchtet die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen an der tschetschenischen Zivilbevölkerung
- "Verschwindenlassen ", außergerichtliche Hinrichtungen, Folter, Vergewaltigung
- durch das russische Militär. Er kritisiert gleichermaßen
das Vorgehen der tschetschenischen bewaffneten Gruppen gegen Zivilisten,
das zu Entführungen, Geiselnahmen und vielen Toten und Verletzten führte.
Zur Moskauer Geiselnahme sagte die deutsche ai-Generalsekretärin:
"Die Geiselnahme war ein schwerer Verstoß gegen die Menschenrechte.
Zugleich hat sie die Weltöffentlichkeit daran erinnert,
dass die Menschenrechte der Zivilbevölkerung in Tschetschenien massiv verletzt werden.
Präsident Putin muss jetzt eine politische Lösung anstreben
und den Tschetschenen den Schutz ihrer Menschenrechte garantieren. "
Mit der Kampagne macht amnesty international darauf aufmerksam,
dass nicht nur in Tschetschenien, sondern in allen Teilen der Russischen Föderation Männer,
Frauen und Kinder Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden.
ai fordert die russische Regierung auf,
die bestehenden rechtlichen Verpflichtungen zum Schutz der Menschenrechte umzusetzen und auszubauen.
Täter müssen verfolgt und bestraft, staatliche Kräfte in Menschenrechtsschutz geschult werden.
Von der internationalen Staatengemeinschaft erwartet ai,
dass sie in diesem Sinn wirksamen Einfluss auf die russischen Behörden und die Regierung nimmt und sie unterstützt.
Tschetschenische Flüchtlinge sollen nicht nach Russland abgeschoben werden.
Das russische Militär wie die tschetschenischen bewaffneten Gruppen sollen das humanitäre Völkerrecht achten.
Mit dieser Kampagne setzt ai einen Schwerpunkt für ihre Arbeit im ganzen Jahr 2003.
Sie will dazu beitragen, russische Menschenrechts-NGOs in ihrer Arbeit vor Ort zu stärken.
ai erklärt sich mit allen Russinnen und Russen solidarisch,
deren Menschenrechte verletzt werden und die sich gegen Straflosigkeit wehren.
ai unterstützt alle, die den begonnenen Weg Russlands zu einer demokratischen Gesellschaft weiter gehen wollen.
Zur Kampagne richtet das Internationale Sekretariat in London eine eigene Website ein:
www.amnesty.org/russia/russian
Über die Website der deutschen ai-Sektion
(www.amnesty.de)
erreichen Sie eine spezielle Kampagnenseite in deutscher Sprache.
Diese Seite bietet neben aktuellen Informationen allen Interessierten die Möglichkeit,
sich aktiv an der Kampagne zu beteiligen.
Eine Zusammenstellung mit elektronischen Pressematerialien finden Sie unter:
www.web.amnesty.org/mavp/av.nsf/pages/Russian_press_kit
Wenn Sie Nachfragen oder Interviewwünsche haben, wenden Sie sich bitte an:
amnesty international
- Pressestelle -
Postfach 580 161
10411 Berlin
+ 49 - (0)30 - 420248-306 / - 0
+ 49 - (0)30-420248-330
E-Mail: presse@amnesty.de
Internet: www.amnesty.de

Tag der Menschenrechte 10. Dezember:
ai demonstriert mit Schilderwald
Verkehrsschilder gegen Menschenrechtsverletzungen in Rußland
Fototermin / Aktion von amnesty international
Zeit: Dienstag, 10. Dezember 2002, 11:30 bis 16:00 Uhr (Tag der Menschenrechte)
Ort: Richard-Strauß-Brunnen in der Fußgängerzone (Neuhauser Straße, Höhe Eisenmannstraße)
Am Tag der Menschenrechte (10.12.) stellt amnesty international einen "Schilderwald"
in der Fußgängerzone auf: Die 20 Verkehrsschilder sind eine Kombination aus dem
"Einfahrt verboten"-Schild (weißer Kreis, roter Rand)
und dem "Vorsicht, Kinder"-Schild (Silhuette von zwei Kindern auf Weiß).
Zusammen ergeben sie das Symbol "Kindheit verboten".
Mit der Aktion wollen die ai-Mitglieder darauf aufmerksam machen,
daß die russische Regierung die Menschenrechte von Kindern in erschreckender Weise verletzt.
Einige Fakten, die auf Hinweistafeln unterhalb der Verkehrsschilder genannt werden:
2001 wurden in Rußland mehr als 1 Million Kinder und Jugendliche verhaftet.
Sie erhalten oft lange Haftstrafen für relativ geringe Straftaten
und werden oft monatelang in Untersuchungshaft gehalten.
Nur ein geringer Teil der Kinder ist in speziellen Jugendhaftanstalten inhaftiert;
so leiden sie besonders unter den unmenschlichen Zuständen in den russischen Gefängnissen.
Folter und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen sind in Russland weit verbreitet.
Das hat 1999 auch das Komitee zum Schutz der Rechte des Kindes bei der UNO kritisiert.
In Tschetschenien werden Kinder Opfer von Folter und Vergewaltigungen in sogenannten Filtrationslagern.
Ein Beispiel:
"Wenn du zur Staatsanwaltschaft gehst, sag Ihnen, du hättest dein Kind nach Hause geholt,
dort sei es hingefallen und hätte sich die Wirbel gebrochen."
Mit diesen Worten riet ein von der Polizei bestellter Rechtsanwalt der Mutter des 16-jährigen Sergej Kalinin,
nichts über die Behandlung ihres Sohnes in Polizeihaft verlauten zu lassen.
Sergej Kalinin (Pseudonym) wurde am 14. September 2000 im Moskauer Stadtteil Fili-Dawidkowo verhaftet,
weil er ein Fahrzeug gestohlen haben soll. Die Polizei hielt den Jugendlichen
24 Stunden lang auf der örtlichen Wache fest, ohne die Staatsanwaltschaft
oder seine Eltern über seine Inhaftierung zu informieren,
obwohl dies nach den Buchstaben des Gesetzes unverzüglich hätte geschehen müssen.
Sergej Kalinin gibt an, er sei auf der Polizeistation mit Schlägen auf Rücken und Kopf gequält worden, offenbar um ihn zu zwingen, den Diebstahl weiterer Fahrzeuge zu gestehen. Darüber hinaus wurde er nach eigenen Angaben mehrfach mit dem Kopf gegen eine Wand gestoßen. Nach seiner Freilassung stellten Ärzte eines Behandlungszentrums fest, dass der 16-jährige einen Wirbelkompressionsbruch davongetragen hatte. Am 28. Mai 2001 sprach das Stadtgericht Kuntsewskij Sergej Kalinin des Diebstahls schuldig und verurteilte ihn zu drei Jahren Freiheitsentzug in einer Gefängniskolonie für jugendliche Straftäter. Nachdem in der Berufungsverhandlung vor dem Moskauer Stadtgericht seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, kam er schließlich am 17. Juli 2001 aus der Haft frei. Sowohl während der gerichtlichen Anhörungen als auch gegenüber der Staatsanwaltschaft hat sich Sergej Kalinin über die im Gewahrsam der Polizei erlittenen Folterungen beschwert. Dennoch sind keinerlei Ermittlungen zur Aufklärung seiner Vorwürfe eingeleitet worden. Nach Auskunft seiner Mutter leidet Sergej Kalinin als Folge der Folterungen bis heute unter Schmerzen.
Informationen zu den Zuständen in russischen Gefängnissen:
Ein UNO-Sonderberichterstatter kam Mitte der 90er Jahre zu der Schlußfolgerung, daß die Haftbedingungen in Rußland mit Folter vergleichbar sind. Ein neuer Bericht von amnesty international belegt: Daran hat sich bis heute nichts geändert. Oft müssen sich mehrere Häftlinge ein Bett teilen. Krankheiten wie Tuberkulose, AIDS und Syphilis grassieren. Frauen erhalten während ihrer Menstruation keine Hygieneartikel und müssen sich mit Lumpen und den Füllungen ihrer Matratzen behelfen. Zudem werden viele Häftlinge gefoltert, vor allem in den ersten Stunden nach ihrer Verhaftung.
Verschwundene in Algerien
Vortrag von amnesty international
Referentin: Nassera Dutour vom "Kollektiv der Familien der Verschwundenen "
Zeit: Montag, 9. Dezember 2002, 19:30 Uhr (Vorabend des "Tags der Menschenrechte")
Ort: Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b
Das "Kollektiv der Familien der Verschwundenen in Algerien " wurde 1998 in Paris gegründet.
Mitglieder organisierten eine Rundreise durch Europa, um auf das Problem der "Verschwundenen" aufmerksam zu machen.
Bis heute trifft sich die Gruppe jeden Samstag in Paris vor dem Jardin de Luxembourg,
um gemeinsam mit amnesty international für eine Aufklärung der "Verschwundenenfälle" zu demonstrieren.
Nassera Dutour gehört zu den Gründerinnen der Organisation.
Sie war 1998 mit dem Komitee auf der UN-Menschenrechtskonferenz in Genf anwesend
und wurde 1999 mit einer Delegation des Komitees im Weissen Haus in Washington empfangen.
Auch Mary Robinson, ehemalige UN-Menschenrechtskommisarin, hat Madame Dutour in ihrem Anliegen unterstützt.
Ziel ihrer Arbeit:
Die gegenseitige Unterstützung der Familien beim Umgang mit den algerischen Behörden,
der gegenseitige Schutz vor Repression und der Erfahrungsaustausch.
Außerdem das Bewusstmachen der "Verschwundenen"-Problematik bei Menschenrechtsorganisationen und Regierungen.
Die algerischen Behörden haben bis heute keine konkreten Maßnahmen ergriffen,
um das Schicksal der über 4000 Männer und Frauen zu klären,
die seit 1993 nach ihrer Festnahme durch Angehörige der Sicherheitskräfte oder paramilitärischer Milizen
dem "Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen sind.
Auch wurden nach Kenntnis von amnesty international keine Schritte eingeleitet,
um den Hinweisen von Familien auf den Ort, an dem ihre von bewaffneten Gruppen entführten
und getöteten Angehörigen möglicherweise verscharrt worden sind, nachzugehen.
Präsident Bouteflika und andere Regierungsvertreter hatten gegenüber den Vertretern
der Familien der Opfer in den vergangenen Jahren wiederholt entsprechende Zusagen gemacht.
Die Regierung veröffentlichte keinerlei Informationen über die Ermittlungen,
welche nach Angaben der Behörden zu den massiven seit 1992 begangenen Menschenrechtsverstößen
durchgeführt worden sein sollen, darunter Tausende von Fällen extralegaler Hinrichtungen,
vorsätzlicher und willkürlicher Tötungen von Zivilpersonen,
Folterungen und Misshandlungen sowie Fälle von "Verschwindenlassen".
Gegen das Vergessen:
Lateinamerikanische Diktatoren und Folterer vor Gericht
Dienstag, 10.12. 2002, 19:30 Uhr -
Vortrag von Dr. Angelika Denzler (Koalition gegen Straflosigkeit), mit Dokumentarvideo und
der Ausstellung "Nicht die Erde hat sie verschluckt".
Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte des internationalen Rechts, die
unerträgliche Nichtverfolgung oder Straflosigkeit für Diktatoren und ihre Folterknechte wird die
Referentin die Bemühungen und Ergebnisse darstellen, lateinamerikanische Staatsverbrechen
aufzuklären und die Schuldigen vor Gericht zu bringen.
Besonders wichtige Beispiele im Kampf gegen die Straflosigkeit sind (neben Peru und
Guatemala) Chile, wo ein unerschrockener Staatsanwalt den Ex-Diktator Pinochet vor Gericht
zwang, und Argentinien, wo die Militärdiktatur über 30.000 Menschen -verschwinden ließ
und der Vorwurf im Raum steht, Firmenleitungen wie Mercedes-Benz hätten mit der Diktatur
gemeinsame Sache gemacht, um unliebsame Gewerkschaftler loszuwerden.
Unter den Verschwundenen in Argentinien waren auch Elisabeth Käsemann und der Münchner
Student Klaus Zieschank.
Was die Gerichtsverfahren gegen Folterer, die sich für unangreifbar und sicher hielten,
bewirken, wird anhand eines für die ARD gedrehten Dokumentarfilmes deutlich.
Wahrheit und Gerechtigkeit sind nach Auffassung des Friedensnobelpreisträgers Adolfo
Esquivel unabdingbar für den Aufbau einer stabilen Demokratie.
Die Koalition gegen Straflosigkeit ist der festen Überzeugung, daß sich über eine
konsequente Anwendung des Völkerrechts auch ohne Kriegseinsätze eine friedliche
Weltordnung herstellen ließe - wenn dies politisch gewollt wäre.
Angelika Denzler ist Sprecherin der Koalition gegen Straflosigkeit, einem Zusammenschluß von 15
Nichtregierungsorganisationen und Einrichtungen der evangelischen und katholischen Kirche, der sich seit
1998 von Deutschland aus für die juristische Aufklärung von Kriegsverbrechen einsetzt, die in Argentinien
zwischen 1976 und 1983 begangen wurden. In Argentinien selbst ist aufgrund der Generalamnestie für die
Streitkräfte keine Strafverfolgung möglich.
Wann und wo:
Am 10.12.2002 (Internationaler Tag der Menschenrechte) um 19 Uhr 30
im EineWeltHaus München, Schwanthalerstr. 80 (U4/U5 Theresienwiese), Raum 211
Veranstalter:
Lateinamerika-AK des Nord Süd Forums München e.V.
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