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Juan Melendez

26. Januar 2006

Juan Melendez: 18 Jahre unschuldig in der Todeszelle

Vortragsreise durch Deutschland/ Ende Januar in der Seidlvilla in München

Juan Melendez ist Puerto Ricaner und konnte bis zu seinem Aufenthalt im Todestrakt kaum Englisch. 1984 wurde er in Pennsylvania, wo er als Erntehelfer arbeitete, für den Mord an Delbert Baker verhaftet und auf Grund von Zeugenaussagen zweier Männer in einem Prozess, der nur fünf Tage dauerte, zum Tode verurteilt.

Im Januar 2002 wurde er nach knapp 18 Jahren Haft freigelassen, weil er unschuldig ist. Seitdem reist er um die Welt, um seine Geschichte zu erzählen und um sich für die Abschaffung der Todesstrafe einzusetzen. Über seine Erfahrungen während der Gerichtsverhandlungen und seine Zeit in der Todeszelle berichtet Melendez auf Vortragsreisen durch Europa und die USA, in Schulen und auch in Gefängnissen. Heute lebt er in Puerto Rico und leitet dort Projekte mit sozial benachteiligten Jugendlichen.

Juan Melendez© amnesty international

Juan war im Rahmen einer zweiwöchigen Deutschlandreise, organisiert von ALIVE - Koalition gegen die Todesstrafe e.V., in München. Am 26. Januar kamen über siebzig Zuhörer in die Seidlvilla und Juan erzählte zum Teil sehr emotional, aber auch humorvoll. Wir hatten Ina Jennerjahn (ai München) für die Simultan-übersetzung (Spanisch-Deutsch) engagiert, Juan wollte jedoch lieber Englisch sprechen. Ina hat sich flugs auch darauf eingestellt und konnte mit ihrer Übersetzung sowohl die Emotion wie die Spannung, die Juan aufbaute, dem Publikum sehr gut nahe bringen. Im Saal war es sehr still; man konnte spüren, wie die Leute an Juans Schicksal teilnahmen und sich immer wieder fragten, wie sich jemand, der 18 Jahre im Todestrakt saß, diesen klaren Blick auf die Ereignisse erhalten konnte - ohne Bitterkeit, ohne Hass. Juan lockerte diese Spannung selbst mit einigen Späßen hin und wieder auf, so dass eine angenehme Stimmung entstand. Nach der Veranstaltung führte Juan noch einige Einzelgespräche.

Der Büchertisch und die Stellwände waren gut besucht; zahlreiche Spenden sind eingegangen. Prominente Menschenrechtsaktivisten waren auch da: Konstantin Wecker hat sich vor der Veranstaltung mit Juan unterhalten und die Schauspielerin Sissi Höfferer sich für Lesungen o.Ä. zugunsten von ai bereiterklärt.

Bettina Jödicke für die Bezirks-Koordinationsgruppe "Kampagne gegen die Todesstrafe"

Seite zuletzt geändert 2006