Amnesty International Bezirk München und Oberbayern

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13. Mai 2000

Schatten auf dem Rotkreuzplatz

ai hilft verschwundenem Algerier

Sein Schattenumriß ist auf den Rotkreuzplatz gezeichnet, fünf Meter groß: Für den verschwundenen Algerier Abdelkader Bouchama kann jeder Passant ein Fax verschicken. Auf das Schicksal Bouchamas und tausender algerischer Männer und Frauen möchte amnesty international (ai) am Samstag, den 13. Mai aufmerksam machen (11 bis 14 Uhr, Rotkreuzplatz).

Aufenthaltsort unbekannt. Seit sechs Jahren ist der algerische Lehrer und Familienvater Abdelkader Bouchama wie vom Erdboden verschluckt. Staatliche Sicherheitskräfte verhafteten den 33-jährigen vor den Augen seiner Familie. Sie weiß nicht, ob Bouchama noch lebt oder bereits tot ist. Die algerischen Behörden geben keine Auskunft.

Amnesty-Mitglieder werden mit Kreide den Umriß eines menschlichen Körpers auf den Rotkreuzplatz malen - auf fünf Meter vergrößert. Damit wollen sie auf das Schicksal Bouchamas aufmerksam machen. Münchens jüngste ai-Gruppe organisiert die Aktion: Die Mitglieder sind im Durchschnitt 25 Jahre alt. Sie werden auf dem Rotkreuzplatz ein Faxgerät aufstellen. Passanten können fertig formulierte Faxe auf Englisch, Arabisch und Französisch direkt an die algerische Regierung schicken, um diese zum Handeln zu bewegen. Je mehr Faxe abgeschickt werden, desto länger wird eine riesige Papierbahn quer über den Platz gerollt. Sie soll die Menge der abgeschickten Faxe symbolisieren, und die mit jedem Fax wachsende Hoffnung, den Verschwundenen zu helfen. Ausstellungstafeln informieren über die Menschenrechtssituation in Algerien.

3000 Menschen sind in den letzten sieben Jahren in Algerien spurlos verschwunden. Amnesty international nimmt an, daß viele von ihnen noch am Leben sind. In mehreren Fällen sind Verschwundene wieder aufgetaucht - sie waren an geheimen Orten inhaftiert. Der spektakulärste Fall: Eine Gruppe von 600 Verschwundenen kam nach 18 Jahren in geheimer Gefangenschaft frei. Hintergrund der schweren Menschenrechtsverletzungen in Algerien ist der Konflikt zwischen staatlichen Sicherheitskräften und bewaffneten islamischen Gruppen. Diese Gruppen sind entstanden, nachdem die Islamische Heilsfront (FIS) im Jahr 1992 verboten wurde.

Seite zuletzt geändert am 2000