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1999

Marienplatz wird zum Friedhof

ai protestiert gegen die Todesstrafe

Am kommenden Freitag (2. Juli 1999, 17:00-20:00 Uhr) wird amnesty international den Münchner Marienplatz in einen Friedhof verwandeln: ai-Mitglieder werden auf dem Platz 50 Grabsteine aufstellen. Damit protestieren sie gegen die Todesstrafe. ai setzt sich insbesondere aus drei Gründen gegen diese Form der Strafe ein: Sie ist grausam und unwiderruflich. Zudem wirkt sie nachweislich nicht abschreckender als Gefängnisstrafen.

Auf jedem der 50 Grabsteine (ein Meter hoch, aus Pappe) wird der Name eines Hingerichteten zu lesen sein. Viele der Namen erinnern an unschuldig Hingerichtete. Zum Beispiel an den nigerianischen Schriftsteller Ken Saro-Wiwa. Er ist Ende 1995 zusammen mit acht weiteren oppositionellen Ogoni hingerichtet worden. Sogar in den USA werden immer wieder Unschuldige verurteilt: Mindestens 75 Menschen, die bereits im Todestrakt einsaßen, sind dort in den letzten 25 Jahren freigelassen worden - weil nachträglich offiziell ihre Unschuld festgestellt wurde.

Im vergangenen Jahr sind ai weltweit 1876 Hinrichtungen bekanntgeworden. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich weit höher. Allerdings ist ein weltweiter Trend gegen die Todesstrafe zu beobachten: Seit 1996 sind erstmals die Staaten in der Minderzahl, die noch Menschen hinrichten. In den meisten Ländern werden heute keine Todesurteile mehr vollstreckt.

ai wendet sich prinzipiell gegen die Todesstrafe, genauso wie gegen Folter, politische Haft und "Verschwindenlassen". Die Todesstrafe ist nach Ansicht der ai-Mitglieder grausam. Sie entfaltet dennoch keine höhere abschreckende Wirkung als Gefängnisstrafen. In keinem Land der Welt konnte nach der Einführung der Todesstrafe ein Rückgang der Kriminalitätsrate festgestellt werden. Die Todesstrafe erreicht nicht die Wirkung, die viele von ihr erwarten. Sie macht es aber unmöglich, einen Justizirrtum noch zu korrigieren. Zudem wird sie in manchen Staaten auch zur Verfolgung von Oppositionellen eingesetzt.